Angekommen in San Pedro de Atacama, einem kleinem Dorf mitten in der Atacama – Wüste wurden wir gleich von den stolzen Preisen Chiles überrascht. Aus unserem gewünschten 5- Sterne-Hotel wurde nur ein gemütliches Hostal, das uns aber wenigstens unserem Budget angemessen zum chillen in Chile animierte.

So konnten wir aus der Hängematte heraus die Unterschiede zwischen Bolivien, dem ärmsten Land Südamerikas und Chile, dem reichsten, beobachten: Schon bei der Grenzkontrolle wurden wir harsch darauf hingewiesen, dass wir Bananen und andere mitgeführte Drogen in Bolivien lassen sollten.  Auch auffällig ist, dass hier die Hunde größer sind, was auch für die Menschen gilt. Beim Überqueren eines Zebrastreifens wird man nicht gleich angehupt oder totgefahren, sondern es wird angehalten. Die Toiletten funktionieren, die warmen Duschen auch. Es gibt seltsame Behälter (allgemein bekannt als Mülleimer) die neben den Straßen stehen und in denen man nun leere Flaschen, Bananenschalen, Taschentücher und leere Kekspacken verstauen soll. Beim Einsteigen in den Bus wurden wir darauf hingewiesen, doch bitte vorher die Schuhe abzuputzen.

Nach unserer letzten Fahrt (gefühlt nie endend) von San Pedro de Atacama zu unserem Ziel- und Abflugsort Iquique mussten wir uns von unserer liebgewonnenen Begleiterin, der Sonne verabschieden und zur Eingewöhnung an zu Hause den verhangenen Wolkenhimmel begrüßen. So fanden wir Zeit bei langem Strandspaziergängen (was soll man sonst machen), ein Resümee über den Urlaub zu fällen:

  • Fast 7.000km in 43 Tagen in allen möglichen Fortbewegungsmitteln liegen hinter uns. Puh! Schüttel, Ruckel, Au! Ein Hoch auf unsere stabilen Mägen!
  • Antibiotikaverschleiß: massiv und gelegentlich prophylaktisch
  • Alkoholkonsum: mäßig aber konstant
  • Neues Lieblingsessen: Lama; Cuy (Meerschweinchen) hat es leider nicht unter die Top 5 gebracht
  • Neue Hasswörter: No hay (gibt’s nicht), Momentito (Soförtchen), Tranquilo (bleib locker)
  • Treueste und kuscheligste Begleiter: aus dem LAN-Flugzeug entführte Decken (wartet in Iquique auf neuen Besitzer), Reise – Fön
  • Ohrenkrebsverursachende Dauerbeschallung: Panflöten mit El Condor Pasa (den ersten Musiker in der Fußgängerzone werden wir ohne Vorwarnung mit lebenden Meerschweinchen erschlagen)
  • Gefühltes Spanischverständnis: fast wie Muttersprachler in Bolivien; die Schweiz unter den spanisch sprechenden ist Chile
  • Top 3 der hässlichsten Städte: Huanchaco (Peru), Oruro (Bolivien), Puno (Peru)
  • Top 6 der schönsten Orte: Cuzco (Peru), Arequipa (Peru), Oase Huacachina (Peru), Quito (Ecuador), Vilcabamba (Ecuador)
  • Spektakulärste Plätze, die wir uneingeschränkt weiterempfehlen: Quito mit Umgebung und Äquator, Baños, Vilcabamba, Oase Huacachina, Arequipa mit Colca Canyon, Cuzco mit Machu Picchu, Copacabana mit Titicaca – See, Todesstraße, Salzwüste und umgebende Lagunen, San Pedro de Atacama
  • Höchster Adrenalinspiegel: Christoph: Zip Lining in Baños; Anna: Buggyfahrt in der Wüste; Fabian und Theresa: Izhcayluma-loop in Vilcabamba
  • Mutprobenking: Fabian
  • Shoppingqueen und geilste Sprücheklopferin: Theresa
  • Am meisten gesteigerte Spanischkenntnisse: Christoph
  • Hustinettenbärin: Anna
  • Montezuma´s Besuche: ein kurzes Stelldichein bei einem
  • Am meisten vermisst: Mama und Automechaniker (wir warten immer noch auf Bewerbungen!)
  • Fleißigste Blogkommentierer: das goldene Meerschweinchen geht an Toni aus Österreich, die silberne Panflöte an Kati aus Österreich und die bronzenen Alpakasocken müssen sich lauf und Schnuff teilen (beide Thüringen) – DANKE! Auch an die, die knapp am Podest vorbeigelaufen sind!

Und wenn wir alle unsere drei Flüge erwischen und das auch für unser Gepäck gilt, gibt’s vielleicht ja sogar Schadensersatz für unsere Abwesenheit.

Wie es nun weitergeht:

Anna:          

 kämpft sich durch Umzugskartons und ab Oktober von Wochenende zu Wochenende  im  AKH Linz.

Christoph: 

kämpft  sich durch Mama´s berühmte Schnitzelpfanne und ab 6.9. gegen Schnitzel, die nur die Patienten sehen.

Fabian: 

kämpft mit vielen Buchstaben um die berühmten zwei Buchstaben, ansonsten kauft er die zwei Buchstaben einfach bei Maren Gilzer; ab Dezember liegen keine Meerschweinchen mehr unter seinem Messer, sondern Menschen.

Theresa:

kämpft schon am Sonntag mit den ersten 10km und ab dann gegen die Dehydratation und akutes Nierenversagen bei sich und den Patienten.

Nun heißt es Abschied nehmen und Danke sagen. Vor allem uns😉 Schließlich waren wir immer brav und artig und haben uns die letzten sechs Wochen sehr gut vertragen! Danke auch an unsere zwei Erfrierungstod -Retter Fön und LAN-Decke. Und natürlich euch Leserinnen und Lesern, die sich durch Unmengen von Fotos und Buchstaben gekämpft haben. Für eventuelle Fragen und Tipps könnt ihr uns jederzeit im Krankenhaus anpiepsen.

Wir hoffen, ihr hattet Spaß und seid beim nächsten Mal dabei, wenn 3+X (X=Mechaniker) das nächste Mal verreisen.

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Verfasst von: los viajeros | 28. August 2010

Von einem Sofa in der Wüste und wasserscheuen Füchsen

Von Oruro aus führte uns eine achtstündige Zugfahrt nach Uyuni. Unterwegs wurden wir mit idyllischen Ausblicken verwöhnt: Lagunen mit Flamingos, Lamas, Schafherden, kleine Lehmhütten in der Abendsonne und tolle Modern Talking Beschallung aus dem Lautsprecher mit teilweise deutschen Sendungen, die wohl weit vor unserer Existenz ausgestrahlt wurden. Von der Sauberkeit der Zugklos und der Verpflegung könnten sich die Deutsche Bahn und die ÖBB aber wohl mal eine Scheibe abschneiden. Eigentlich waren es sogar fast die saubersten Klos, die in Bolivien unter unseren Allerwertesten zu finden waren.

Am nächsten Tag brachen wir am späten Vormittag auf zu unserem letztem Highlight der Reise, der Salzwüste. Wir hatten in eine zweitägige Privattour investiert (normal ist die Tour drei Tage mit sechs Leuten), die uns zwar teurer kam, aber so sollten uns lästige Mitreisende und eine Nacht bei -20° auf fast 5000m Höhe erspart bleiben. Am Anfang stand der Besuch des Eisenbahnfriedhofs auf dem Programm. Dort verrotten in der Wüste die ersten europäischen Eisenbahnen, die auf den Schienen Boliviens unterwegs waren und nun von Bolivianern besprüht und mit Müll beladen werden.

Nach circa 20km und einer dreiviertel Stunde Fahrt kam es wie es kommen musste: Das Auto ruckelte ein paar Mal und blieb dann stehen. Das kannten wir doch von irgendwoher… Sofort wurde uns klar, dass die Kombi aus drei Ärzten und einem Psychologen sich nicht als günstig erwies, da uns die Anatomie und Psychologie eines Autos unbekannt sind. Wir stellten Überlegungen an, wer bei der nächsten gemeinsamen Reise zu Hause bleiben muss und durch welchen Mechaniker man sie/ihn ersetzen könnte. Um nicht vorzeitigen Streit zu erzeugen, wird dieses Problem erst kurz vor der nächsten Reise durch Flaschendrehen entschieden. (Bewerbungen für den neu zu besetzenden Platz mit Lebenslauf und Foto, Motivationsschreiben sowie Meisterurkunde bitte an die Personalabteilung der Meerschweinchenforscher senden. Auslands- und Pannenerfahrung sind erwünscht aber nicht Voraussetzung.) Anna getarnt als Fatma wollte sich schon jetzt den Platz bei der nächsten Reise sichern und griff beherzt zum Schraubenzieher (siehe Bewerbungsfoto weiter unten). Um in dem Dorf mal was Aufregendes passieren zu lassen, präsentierten die Mädels beim Pinkeln ihre knackigen salzfarbenen Pos und erzeugten so im angrenzenden Jungeninternat eine kleine Pfeifpause. Als der Fahrer einen Gummiriemen aus dem Erdboden zog und diesen irgendwie in der Motorhaube verschwinden ließ war das Problem schließlich auch gelöst und die Fahrt konnte weitergehen.

Die nächste Station war der Teil der Salzwüste (Salar de Uyuni), in dem Männer an der Salzgewinnung arbeiteten. Das uns in der anschließenden Pause als Box-Lunch angepriesene Mittagessen entpuppte sich als ein Festschmaus aus Lamasteak mit Kartoffel- und Nudelbeilagen mit frischem Salat. Nach einem Foto-Shoot in der Salzwüste, bei dem Heidi Klum mit ihren Topmodels klein neben uns aussehen würde, sollte die Fahrt tiefer in den Salar hineinführen.

Ein paar Kilometer weiter verspürten wir aber wieder das uns leider bekannte Ruckeln. Auch hier wird es ernst, wenn ein Gummi reißt…Wir hofften innigst darauf, dass es hier aber nicht auch neun Monate dauern würde. Obwohl wir uns eigentlich ganz ruhig verhielten und noch guter Dinge waren, wollte der Fahrer dass wir uns noch mit einer weiteren Foto-Session beschäftigten. Gehorsam befolgten wir seine Anweisung und machten sogar Topflappen und Colaflaschen lebendig. Auf der Suche nach neuen Accessoires entdeckten wir die Rückbank des Jeeps, die Fatma fachkundig aus dem Jeep katapultierte. Also richteten wir uns unser Wüstenwohnzimmer ein. Da wir schnell feststellten, dass das Wüstenfernsehen nur einen Sender ausstrahlte mit dem abwechslungsreichen und spannendem Programm „SALZ“, direkt nach „SALZ“, dicht gefolgt von „SALZ“ und auch in der Werbung „SALZ“, hatten wir irgendwann Angst, dass auch im Abend- und Nachtprogramm weitere Folgen von „SALZ“ gezeigt werden sollten. Wir machten unserem Fahrer Gregori klar, dass wir nicht als Eis-Meerschweinchenforscher im Salar enden wollten und dafür schließlich einen gesalzenen Preis gezahlt hatten. Nicht gerade begeistert waren wir, dass unsere Handys „Kein Netz“ anzeigten um Hilfe zu holen. Gregori aber erreichte auf dem Dach des Autos seine Agentur, welche ihm zusicherte, dass innerhalb der nächsten Stunde ein neues Auto kommen sollte. Zufriedengestellt nahmen die Jungs mit einer Tüte Kekse auf der Couch Platz und zappten auf „SALZ“. Heroisch nahmen sich die Mädels ein Beispiel an Robinson Crusoe und versuchten mit Winken die am Horizont vorbeidüsenden Jeeps auf sich aufmerksam zu machen. Leider erfolglos. Als nach anderthalb Stunden immer noch kein Auto aus Uyuni in Sicht war und die Schatten immer länger wurden, begann die Stimmung zu kippen. Wir waren sehr froh, fast 40l Wasser mitgenommen zu haben. Noch nervöser wurden wir, als wir Gregori dazu zwangen, noch einmal Kontakt mit Uyuni aufzunehmen und er uns nicht verheimlichen konnte, dass gar kein Auto von dort losgeschickt wurde. Aus lauter Verzweiflung machten wir uns ernsthafte Gedanken, in welchen Schlafpositionen  wir die Nacht auf unserem Wüstensofa überleben sollten und stellten erste Überlegungen an, welche Kleidungsstücke und Mitbringsel wohl am besten brennen würden um uns vor der bitteren Wüstenkälte zu schützen. Gregori, immer noch die Ruhe in Person, schraubte gelassen weiter am Auto. Als kurz vor Sonnenuntergang der Motor wieder ansprang, machte sich wieder ein Fünkchen Hoffnung in uns breit, dass wir es doch wieder ans (geplante) andere Ende der Salzwüste schaffen könnten.

Als es mittlerweile schon dunkel war, war die Luft im Jeep zum Schneiden, die Anspannung fast spürbar und jedes noch so kleine Ruckeln ließ unseren Puls in die Höhe steigen. Nervös hielten wir Ausschau nach jedem noch so kleinem Licht am Horizont, dass uns als Rettungsanker dienen könnte. Unsere Stoßgebete wurden wohl erhört, denn ein Licht wurde immer größer und stellte sich als unsere Nachtunterkunft heraus. Auf unsere Weigerung hin am nächsten Tag für die noch bevorstehenden 500km das gleiche Auto zu benutzen, wurde uns erneut zugesichert, dass ein neues Auto bereit stehen sollte. Skeptisch sahen wir unseren Bolivien-Aufenthalt durch weitere Pannen um ein paar Tage verlängert.

Nachdem wir am nächsten Morgen um halb fünf feststellten, dass es dort in der Pampa nicht mal Wasser und Strom gab, waren wir über uns selbst erstaunt, dass wir durch die fast sechs-wöchige Übung unsere Rucksäcke auch schon im Dunkeln im Handumdrehen packen konnten. Nur Fabian vergriff sich in den Taschen und präsentierte seine strammen Flamingo-Beine in Theresa´s Leggins. Diesen Fehler bemerkte er erst als das schließlich doch noch das Licht anging und drei verwirrte Augenpaare ihn anstarrten und in schallendes Gelächter ausbrachen. Fabian aber wusste sich treffsicher in seiner langen Unterhose, bis er diese dann doch auf dem Bett liegend vorfand.

 So ging es mit dem tatsächlich mit nur einer Stunde Verspätung aufgetauchtem neuen Fahrer Santiago und seinem Jeep weiter Richtung Chile. Die ersten Worte von Santiago waren: „Habt ihr auch so schlecht geschlafen?“ –  mit einem Schlag waren wir hellwach. Dies blieben wir und zum Glück Santiago auch durch das ewige Ruckeln und ständige Anschlagen des Kopfes am Fenster. Schon abgebrüht von den Straßen, die wir auf den unzähligen Fahrten unserer Reise kennengelernt hatten, konnte auch diese Ruckelpiste, die sich nur durch die Spuren von vorherigen Jeeps markierte, unseren Mägen nichts anhaben. Jeder Feldweg bei uns wäre eine neu ausgebaute Autobahn im Gegensatz dazu gewesen. Entschädigt wurden wir durch das Bestaunen von wildlebenden Tieren wie Sträußen, Lamas, Alpakas, Vicuañas, Flamingos, und Wüstenfüchsen, die sich den Sträuchern so gut anpassten, dass sie fast von Theresa angepinkelt wurden (Zitat: „Huch, der rennt ja“). Kaum in Worte zu fassen war die atemberaubende (im wahrsten Sinne des Wortes: 5.000 üNN) Schönheit der Natur mit surrealistischen Erscheinungen, die schon Dalí zu seinen Bildern inspirierten und einem Teil der Wüste auch seinem Namen vermachte. Lagunen jeglicher Farbe, wild dampfende Geysire und natürliche Thermalbäder, sowie Berge, die wie ein buntes Gemälde wirkten und rauchende Vulkane in der Ferne versetzten uns in ein nicht endendes Staunen. Die endlose Weite und stellenweise karge und unbelebte Natur mit einer unbeschreiblichen Ruhe wirkten wie eine Mondlandschaft. Neidisch betrachteten die Mädels die in den Lagunen lebenden, rosaroten Flamingos mit ihren dünnen Beinchen und lauschten ihren eigenartigen Geräuschen.

An einer solchen Lagune sollte auch das Abschluss – Essen dieser Tour stattfinden. Einen versteckten Hinweis auf was es geben sollte, fanden wir schon vor der Eingangstür. Ein blutiger Stein, eine Blutlache, vier Beine und ein Lamakopf sind ja wohl Beweis genug dafür, was für ein Steak auf unserem Teller lag. Nach dem Essen fanden wir bei einem kleinen Rundgang ums Haus auch dann noch das abgezogene Fell und mussten anhand von vielen anderen Knochen jeglicher Verwesungsstufen feststellen, dass wir nicht die einzigen waren, die das Privileg eines frischen Lamakoteletts genießen durften.

Am Ende des Tages hieß es Abschied nehmen von Bolivien und die Zivilisation begrüßen. Das erste sichere Anzeichen dafür, in Chile zu sein, war die asphaltierte Straße sogar mit Mittel- und Seitenstreifen und Leitplanke, die uns nach San Pedro de Atacama führte. 

Wie wir die letzten Tage in Chile verbringen erfahrt ihr dann beim nächsten Mal.

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Wir verließen die Copacabana und mussten um nach La Paz zu kommen, den Titicaca-See mit der Fähre überqueren. Das heißt raus aus dem Bus und rauf auf ein hölzernes Schlauchboot. Der Bus schwamm auf ein paar Holzbrettern neben uns. Wir sahen unsere Rucksäcke (den Bus nur nebensächlich) schon auf dem Grund des Titicaca-Sees.

Als wir nach La Paz hineinfuhren, wurde uns bewusst, dass wir uns in der monumentalen Geburtsstadt von Verona Pooth sehr wohl fühlen würden. La Paz ist zwar nicht die wirkliche Hauptstadt, sondern nur Regierungssitz (der höchste der Welt mit 3.100-4.100m üNN) Boliviens und erstreckt sich entlang eines Canyons. In unserem Hotel sahen wir von unserem Bett aus die Alpen (Wandbemalung). Und aus dem Fenster die Anden. Toll!

Auf der Suche nach Verona Pooths Geburtshaus verirrten wir uns in einige Geschäfte und österreichische Kaffeehäuser. Auch hier mussten wir feststellen, nichts geht über Mama´s Sachertorte. Ein Erlebnis der besonderen Art war der Besuch des Hexenmarktes, wo nicht etwa Rothaarige verkauft (oder verbrannt) werden, sondern jegliche Heilpflanzen und –Kräuter, sowie Lamaföten jeder Entwicklungsstufe, mit und ohne Fell, getrocknet und gegerbt oder in der Weihnachtsedition mit Lametta verziert, verkauft werden.

Am folgenden Tag wagten sich zwei der fantastischen Vier nach reichlichen Überlegungen und eingeholten Informationen die „Todesstraße“ auf zwei Rädern herunter. Die „Gefährlichste Straße der Welt“ führt von La Paz nach Coroico, und hat ihren Namen daher, dass vor dem Bau einer Alternativstrecke durchschnittlich 300 Menschen jährlich dort verunglückten. Es ist die einzige Straße in Bolivien mit Linksverkehr, damit die Fahrer direkt sehen können, wie weit ihr Reifen vom Abhang (bis zu 600m) entfernt ist. Nun wird diese Strecke nur noch von wenig regulärem Verkehr und von Fahrradtouristen wie Anna und Fabian genutzt. Sicher geführt von vier erfahrenen Guides und auf modernsten Mountainbikes begaben sie sich in einer Gruppe mit zwanzig Personen auf die 64km lange Abfahrt. Beim Start auf 4700m Höhe, jenseits der Baumgrenze, zwischen den Gletschern und bei eisigen Temperaturen trugen sie noch mehrere Schichten Kleidung, die sie auf dem Weg nach unten Schicht für Schicht von sich warfen. Im Ziel auf 1200m, im subtropischen Dschungel, wurden sie von Papageien und Affen empfangen. Im Nachhinein kann man sagen, dass es ein tolles Erlebnis war und die richtige Entscheidung für die zwar teure, aber dadurch sichere Agentur.

Die eigentlichen Helden des Tages waren die anderen beiden, die sich zwar an der sicheren Strecke und auf vier Reifen nach Coroico begaben. Sie waren umzingelt von schlafenden oder pubertierenden, Musik hörenden, schreienden und seltsam riechenden Einheimischen, Hunden, Kartoffeln, Reis und sämtlichem „Gemüse“, praktisch allem, was La Paz hergibt. Angekommen im angeblichen „Garten Eden“, der eher als Staubhölle wie Himmel imponierte, machten sich die beiden in der Hoffnung auf einen baldigen Mojito am Pool auf die Suche nach einem paradiesischen Hotel. Anzumerken ist, das Coroico sehr weit verstreut ist und die vermeintlichen Paradiese wohl eher an heruntergekommene Bordelle erinnerten. Sie riskierten nicht nur Leib und Leben durch eine unfreiwillige kilometerlange Wanderung bergauf mitsamt allem Gepäck durch die Mittagshitze (wobei die Nephrologin schnell einen Liter Cola organisierte), sondern auch durch ein Zusammentreffen mit einer Bienenkolonie.

 Lange Rede, kurzer Sinn, glücklich vereint genossen wir abends unser Bier am Pool und ahnten noch nicht, dass die wirklichen Torturen sich erst in der Nacht in Form von massivem Juckreiz bemerkbar machen würden. Dank der Sandfliegen, welche noch aggressiver sind als Mücken (aber keine Malaria übertragen) sahen wir aus wie eine Kindergartengruppe nach einer Masernparty. Das gemeine an diesen Fliegen ist, dass man sie wieder sieht, hört, noch unmittelbar nach dem Stich spürt. Seinen Rekordvorsprung von Machu Picchu baute Gaston aka Crisptop mit weiteren circa 60 Stichen aus und musste feststellen, dass sich seine tierpsychologischen Fähigkeiten wohl nicht auf Insekten beziehen und plünderte sämtliche Vorräte an Antihistaminika der Reiseapotheken. Bis zum nächsten Rekord dauerte es keine 24 Stunden: da er vergaß, dass auch zentimeterdicke Schichten Autan nicht die Sonnencreme ersetzen, brannte er sich vor lauter Heimweh die österreichische Fahne auf den Körper. Den Versuch, die Fliegenstiche so wegzubrennen, sah er unter Schmerzen als gescheitert an.

Nach einem Ausspann-Tag am Pool (diesmal im Einsatz der gesamte Urlaubsvorrat an Autan), haben wir uns nun über La Paz nach Oruro aufgemacht, das auf dem südlichen Altiplano (Hochebene) auf 3700m liegt. Von hier geht es morgen mit dem Zug weiter nach Uyuni, welches das Tor zu den berühmten Salzwüsten darstellt. Dies ist dann auch schon unsere letzte Station in Bolivien, da wir die Salzwüste durchqueren und in San Pedro de Atacama in Chile ankommen werden.

Für alle die sich wundern, dass wir unsere Orte nicht mehr einzeln beschreiben, die Erklärung ist ganz einfach: Leider ist es in Bolivien etwas schwieriger, an Internet zu kommen. Trotzdem nutzen wir jede Möglichkeit und freuen uns über eure Kommentare.

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Hola Amigos, hola Bolivien!

Nach einer nur dreistündigen Busfahrt ohne Pannen kamen wir an der bolivianischen Seite des Titicaca-Sees (mit 3.800m üNN der höchste schiffbare See der Welt), an der wirklichen Copacabana an, um Lola das Showgirl zu suchen (http://www.youtube.com/watch?v=KKsVhyiISY8). Die (bekanntere) Copacabana in Rio de Janeiro ist nämlich nach dieser hier benannt und nicht umgekehrt! Die Copacabana hier ist der heiligste Wallfahrtsort Boliviens, wo die schwarze Madonna (die unserer Meinung nach gar nicht schwarz ist) verehrt wird. Zu Ehren dieser wurde eine Kapelle an einem Strandabschnitt in Rio de Janeiro gebaut, der nun auch den Namen Copacabana trägt. Wichtige Info für alle, die mal bei „Wer wird Millionär“ sitzen und dies gefragt werden. Der anteilsmäßige Gewinn geht natürlich an uns vier.

Nachdem wir am Sonntag die Sonne genossen haben, rote und braune Stellen auf unseren Körpern gezüchtet haben, und natürlich mal wieder gut gegessen haben, war für Montag der große Shopping-Tag eingeplant, denn schließlich winkten schon bei der Anfahrt an die Copacabana die Ohrringe, Socken und Schals in all ihren prächtigen Farben und Formen. Hochmotiviert rannten wir am nächsten Morgen also Richtung Bank um größere Summen Bolivianos abzuheben (wir hatten nur ein paar Groschen von den übrig gebliebenen, an der Grenze gewechselten, Soles aus Peru). Peng – kam der Faustschlag ins Gesicht. Die angestrebte Bank gab es nicht mehr. Die zweite hat von Sonntagmorgen bis Dienstagnachmittag zu und die dritte (die eigentlich nur ein Restaurant war) hatte keine Internet-Verbindung nach La Paz um uns Geld zu geben. Wie arme Bettler standen wir da! Der nächste Bankautomat wäre in Puno (Peru, 4h) oder La Paz (3,5h) gewesen. Mit viel Mühe und Zeit fanden wir ein Restaurant was uns umgerechnet 10 Euro über Kreditkarteneinzug ausbezahlte, so dass wir wenigstens Fahrkarten für den nächsten Tag für die Sonneninsel kaufen konnten. Denn was sollten wir ohne Geld an der Copacabana, dann lieber zur Insel, wo man eh nichts kaufen kann… Dank unserem Hostalbesitzer Martin, der uns auch nochmal 20 Euro lieh (schließlich kennt er das Problem nur zu gut) konnten wir wenigstens unsere hungrigen Mäuler stopfen und das tun was nichts kostet: den Sonnenuntergang anschauen.

Am nächsten Tag also starteten wir die zweistündige Schifffahrt über den in einem unbeschreiblich schönen azurblau schimmernden Titicaca-See zur „Isla der Sol“ (Sonneninsel), wo nach altem Inkaglauben die Sonne geboren wurde (gleich nebenan befand sich die Geburtsstätte des Mondes). Dort schnauften wir auf dem Inselkamm zwischen Eseln, Schweinen, Steinen, alten Inkaruinen, Büschen und Unmengen von Staub von Nord nach Süd. Stets begleitet von tollen Aussichten auf die Strände, den See, die schneebedeckten Gipfel der Anden. Nachmittags schipperten wir wieder zurück zur Copacabana.

Dort angekommen, legten wir einen Sprint zur nun geöffneten Bank hin. Ein tolles Gefühl wieder Geld zu haben, sagen wir euch! So konnte der nächste Tag dann wenigstens urlaubsentsprechend an den Ständen und in den Cafés zur Erholung und zum Shoppen genutzt werden😉

Was uns hier an der Copacabana übrigens schnell auffiel: es gibt nochmal VIEL mehr Hunde als in Peru. Meist leben der normale Tourist und die streunenden Gesellen friedlich ohne jegliche Beachtung nebeneinander her. Doch spätestens nach dem einer dieser Gefährten einen hinterhältigen Mordanschlag auf Theresa´s zum Trocknen in der Sonne hängendes T-Shirts ausübte, beschloss die weibliche Fraktionen, politisch aktiv zu werden. Anhand des Beispiels Vietnams wurden erste Präambeln der „Friedlicher leben – esst mehr Hunde“ –  Partei verfasst. So könnte das globale Problem der Hundeüberwuchung gelöst werden und als positiven Nebeneffekt müsste niemand mehr Hunger leidenungeHh, und auch den Läuferinnen und Läufern könnte ein friedlicheres Leben beschert werden. Ihr werdet in Zukunft sicher noch auf Wahlplakaten von uns zu hören und lesen bekommen.

An der Kathedrale der Copacabana gibt es eine sehr interessante Tradition, täglich werden mittags Autos, Lastwagen, Busse und auch andere Gegenstände wie Miniatur-Dollarscheine, Miniatur-Häuser, Bagger und Schiffe gesegnet. Die Sachen werden dazu mit Girlanden, Schleifen und bunten Plastikblumen geschmückt. Die Segnung verhindert nicht nur Unfälle und Pannen sondern erlaubt mit Gottes Segen getrost ein paar Überholmänöver in der 180°-Kurve, wenn der Gegenverkehr schon zuwinkt. Für alle Priester und die, die es noch werden wollen: Diese Segnung wird nicht etwa, wie man annehmen könnte, mit Weihwasser vollzogen, nein, nein. Es wird frisch gezapftes Bier benutzt! Und das wird auch gleich mit Schwung IN die Autos geschüttet. Ob das bei der nächsten Alkoholkontrolle (von der wir nicht denken, dass es sie hier gibt), dann die Promillezahl erklärt, konnten wir nicht heraus finden. Natürlich muss anschließend noch ein Beweisfoto gemacht werden, um dem himmlischen Richter (falls der grad mal eine Pause macht), vor der Pforte dann zeigen zu können, dass man doch eigentlich geschützt war.

Weiter geht´s heute nach La Paz, dem Regierungssitz Boliviens, und gleichzeitig dem höchsten der Welt (La Paz ist 3.700m hoch!).

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Nach einer anstrengenden Busfahrt erreichten wir morgens das eisig kalte Cusco. Zum Glück empfing uns dort der Fahrer des Hostals, welcher in den nächsten Tagen noch öfters die Ehre haben sollte, uns durch die Gegend zu kutschieren. Nachdem wir uns mit Tee aus getrockneten Coca-Blättern, der vor allem zur Höhenakklimatisierung getrunken wird, aufgewärmt und aufgeputscht hatten, sind wir durch die schönen engen Gassen und über die tollen Plätze von Cusco geschlendert. Trotz der relativ vielen Touristen hat uns Cusco positiv überrascht und schnell in seinen Bann gezogen. Die tollen kolonialen Bauten mit maurischem Einfluss, die vielen Handwerksmärkte und die kleinen Cafés verbreiten eine unbeschreibliche Atmosphäre, die selbst die Hunde in eine sehr romantische Stimmung versetzt (siehe Foto). Schnell hatten wir unser Stamm-Café gefunden in dem uns Clara und ihre Crew mit Kaffee, Brownies, Mango-Shakes und anderen Köstlichkeiten verwöhnten. Dort Weckten wir die Kinder in uns und stellten einen neuen Rekord im Jenga-Turmbauen auf.

Am nächsten Morgen brachen wir noch vor dem Hahnengeschrei mit dem Buena-Vista-Zug nach Aguas Calientes (Deutsch: Heißes Wasser)auf, das nicht über die Straße erreicht werden kann. Der Zug musste einen Höhenunterschied von fast 1000m überwinden und deshalb in Zick- Zack- Linien in den Ort fahren. Vier Stunden später und 90 km weiter erreichten wir den in einem grünen engen Talkessel eingebetteten Ort, der den Ausgangspunkt für die Besteigung des Touristenhighlights Machu Picchu darstellt. Hier ist es natürlich nicht verwunderlich, dass es von Touristen nur so wimmelt und die Preise in ihren Höhen wohl den schneebedeckten Andengipfeln angepasst wurden. Trotzdem hat es uns dort recht gut gefallen, auch wenn wir das Baden in den warmen Thermen aufgrund des schmutzig wirkenden Wassers und der nicht gerade einladenden Becken, ausgelassen haben. Stattdessen spazierten wir entlang der Schienen und durch zwei Tunnel ins Valle de Mandor und bestaunten exotische Pflanzen und Wasserfälle.

In der darauffolgenden Nacht trainierten wir ein weiteres Mal für unser bevorstehendes Berufsleben und standen um 3 Uhr morgens auf, um uns in die Schlange der wartenden Touristen einzureihen und so einen der ersten Busse rauf auf den Machu Picchu (600m höher) zu ergattern, damit man überhaupt einen Stempel für den Aussichtspunkt Wayna Picchu bekommt. Auf diesen werden täglich nur 400 Personen, in jeweils zwei 200er Runden gelassen. Wir hätten statt des langen Anstehens auch die Hardcore-Tour machen und schon zu Fuß zum Eingang des Machu Picchu laufen können. Als wir die völlig verschwitzen und keuchenden Leute am Rand der Straße und oben am Eingang sahen, waren wir heilfroh, den bequemen Bus genommen zu haben. Man muss dazu sagen, dass es 2km und knapp 3000 Treppen den Berg rauf durch die finstere Nacht gewesen wären. Das lange Warten und das frühe Aufstehen haben sich gelohnt, denn wir durften schon im ersten Durchgang ab 7 Uhr den Wayna Picchu erklimmen. Der Sonnenaufgang über den alten Inkaruinen war nach dem relativ anstrengenden Aufstieg zum Wayna Picchu – über ca. 400 Höhenmeter auf dann 2600m – umso beeindruckender und mystischer. Bei manchen unserer Mitbesteiger wunderten wir uns, wie diese sowohl die im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Stufen oder die zu durchkriechenden sehr engen Steinhöhlen überwinden konnten. Wir nahmen an, dass wohl diverse Touris schon stecken geblieben sein müssen. Wie die aufmerksamen Leserinnen und Leser bemerkt ist uns trotz dieser Strapazen die Puste zum Lästern nicht ausgegangen. Schließlich und endlich waren alle oben angekommen und genossen die schöne Stimmung und die warmen Sonnenstrahlen. Um die frühe Uhrzeit schon saßen wir im T-Shirt draußen – der Wahnsinn!! Das erste Mal hatten wir die Wetterlage in die andere Richtung falsch eingeschätzt.

Nach unserer Verschnaufpause in Himmelsnähe stellten wir uns dem Nächsten etwas schwierigerem Unterfangen, nämlich, unsere zwar gut trainierten, aber trotzdem langsam drückenden Blasen zu entleeren. Dazu mussten wir den ganzen Weg zurück zum Eingang marschieren bzw. rennen, weil es auf dem ganzen Gelände des Machu Picchu keine weiteren Toiletten mehr gibt.

Alles in allem hat uns Machu Picchu sehr beeindruckt und auch wir bestätigen, dass die Inkastadt ein wirkliches MUSS einer jeden Peru-Reise sein sollte.

Am gleichen Abend nahmen wir wieder den Zug zurück, diesmal nur bis Ollantaytambo (für flüssiges fehlerfreies Aussprechen gibt`s einen kleinen Preis😉 ), wo wieder unser Chauffeur auf uns wartete und uns zurück nach Cusco brachte und wir nur mehr erschöpft in unsere Betten fielen. Den letzten Tag in Cusco verbrachten wir sehr entspannt mit Shoppen, Bummeln und der Besichtigung der alten Sonnen- und Mondtempel der Inkazeit, sowie mit zwei letzten Besuchen in Claras Cafe und Restaurant.

Den Samstag verbrachten wir im Bus zum Titicaca-See mit zwei Zwangspausen der anderen Art. Die erste Panne war etwas schwerwiegender, denn der Bus konnte nicht mehr weiterfahren und wir mussten zwei Stunden warten, bis ein neuer aus unserem Abfahrtsort Cusco geschickt wurde und uns weiter transportierte. Keine 30 Minuten später hatten wir unsere Traveller-Äuglein gerade wieder geschlossen, als es einen Knall gab. Diese zweite Panne war ein beinahe lächerlicher Reifenplatten, der vom Busfahrer und seinen Begleitern relativ schnell behoben werden konnte. Völlig überzeugt davon, dass es bis zur nächsten Panne nicht lange dauern würde, zogen üble Gerüche und eigenartige Geräusche unsere Aufmerksamkeit auf sich. Im Gang hinter uns (wir hatten die Panoramaplätze vorne)wurde ein Schwein mit einer riesengroßen Machete in seine Einzelteile zerhackt und an die Passagiere verkauft. Christoph (laut Ticket-Name neuerdings Crisptop) inhalierte daraufhin den Geruch unserer entleerten Chips-Tüte ein und Fiorella (T.B.) fasste den Plan, den Rest ihres Lebens Vegetarierin zu werden. Ob dieses Vorhaben aufgeht, oder ob nach eingehender Durchsicht der Speisekarte an der Copacabana nun doch wieder ein Hühnchen in ihrem Magen landet, erfahrt ihr beim nächsten Mal, dann schon aus Bolivien…

Als Preis für fehlerfreies Aussprechen des Ortes „Ollantaytambo“ gibt’s eine Hörprobe des Nummer 1 Hits der Dauerbeschallung Perus: http://www.youtube.com/watch?v=V7plE9p8UxU

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Verfasst von: los viajeros | 11. August 2010

Von tiefen Schluchten und himmlischen Wünschen…

Nach einer mehr oder weniger bequemen Nacht im Bus begrüßte uns früh morgens schon die Sonne in Arequipa. Unglaublich aber wahr, seit der Oase haben wir keine Wolke mehr gesehen. Wir waren eigentlich ja darauf gefasst, die einzigen fünf Regentage des Jahres, die es statistisch in Arequipa gibt, dort anzutreffen. Stattdessen durften unsere Sommerklamotten noch einmal Gassi geführt werden und die Sonnencremes den Staubfänger auf unserer Haut spielen.

Arequipa ist die drittgrößte Stadt Perus und hat uns nicht nur durch sein Flair verzaubert, sondern auch durch seine Sauberkeit und kolonialen Häuser mit tollen Fassaden. Unsere Begeisterung ließ sich noch dadurch steigern, dass wir auch kulinarisch voll auf unsere Kosten gekommen sind, aber mehr dazu etwas später. Wir haben das Alpaca-Museum besucht, köstlichste Crepes gegessen, den Kindern beim Tauben füttern und fangen zugeschaut, deren Omis bei einer Siesta im geparkten Käfer beobachtet und das Flair genossen. Bei einem leckeren Kaffee am Marktplatz haben wir gleich drei Brautpaare die Kirche betreten und verlassen sehen, so dass wir davon ausgehen, dass es sich beim Heiraten um einen Volkssport handeln muss.

Am nächsten Tag haben wir dem Treiben am Markt zugeschaut. Hier gab es von Sachen, die man wirklich braucht, bis Sachen die niemand braucht, wirklich alles. Unter anderem jegliche Innereien von den verschiedensten Tieren, Käse (der uns nicht verkauft wurde), bis sogar getrocknete Lamaföten (siehe Foto). Diese Lamaföten werden zur Vertreibung böser Geister aus neuen Häusern benötigt. Im zweiten Stock verbarg sich das wirkliche Highlight: man konnte sich sein Abendessen im lebenden Zustand aussuchen. In diesem Moment wussten wir: Der Tag ist gekommen! Christoph traf die Roh-Auswahl und dankenswerter Weise übernahm der Verkäufer das Entpelzen. Leider verlor sich dann die Spur unseres vierbeinigen Freundes, so dass abends im Restaurant wohl sein Cousin dran glauben musste. Der Mutpreis an diesem Abend ging wieder einmal – was glaubt ihr an wen??? Das Cuy, wie Meerschweinchen hier genannt wird, lag frittiert und mit allen Vieren von sich gestreckt vor F.M., der aus Angst vor Meerschweinchenhaltern lieber anonym bleiben möchte. Das Cuy, das als Ganzes serviert wird, hatte nicht viel Fleisch an den Rippen, so dass es einen hungrigen Schnitzelesser nicht wirklich satt macht, vor allem weil man durch die Fummelei schon wieder hungrig wird. Der Geschmack lässt sich am ehesten mit zähem Huhn vergleichen. Die drei anderen Feiglinge kosteten zwar, entschieden sich aber für Medaillons in Weinsoße von den pelzigen vierbeinigen Freunden aus dem Museum (Alpaca). Dieses schmeckt ähnlich wie Wild, etwas milder, und sehr köstlich.

Am nächsten Tag, besser gesagt in der nächsten Nacht (denn es ging um zwei Uhr los) machten wir uns auf den Weg in den Colca Canyon. Dieser ist mit über 4000 Metern Tiefe der größte Canyon der Welt. Geführt wurden wir von einer netten Peruanerin, die Christoph und Theresa direkt einmal aus uns unerfindlichen Gründen in Gaston und Fiorella umtaufte. Der wohl wichtigste Stopp war das „Kreuz des Kondors“, wo morgens durch die Thermik  die größten Vögel der Welt von ihren Nestern aufsteigen um sich auf Nahrungssuche zu machen. Kurz nach unserer Ankunft konnten wir dieses Spektakel live miterleben und waren richtig begeistert. Außerdem faszinierten uns die terrassenartig angelegten Felder aus der Vorinkazeit entlang des gesamten Tals. Wie schön die Landschaft war, könnt ihr auf unseren Fotos bestaunen.

By the way muss erwähnt werden, dass auch bei diesem Ausflug ein paar warme Wollsachen den Weg in unsere Taschen gefunden haben. Auf dem Weg zurück nach Arequipa machten wir am höchsten Punkt unseres  Ausflugs Halt (4900 Meter), was ein gutes Training für unsere weiteren Stationen darstellt. An diesem Punkt haben wir nach alter Inkatradition unsere Wünsche in den Himmel getürmt.

Nun machen wir uns auf zu dem Touristenumschlagplatz Südamerikas schlechthin:  Cusco, nahe den Inkaruinen MACHU PICCHU.

Ob Anna es schafft auch diese Touristenmassen zu vertreiben,  Theresa täglich ihre Nieren mit 15 Liter Coca-Tee spülen, Fabian ein ganzes Alpaca verdrücken und Christoph die Puste endgültig wegbleiben wird, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal….

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Verfasst von: los viajeros | 6. August 2010

Von sandigen Ritzen und wehenden Mähnen

Raus aus Lima gings durch die Wüste und entlang der Panamericana -die sich den gesamten Nord- und Südamerikanischen Kontinent durchzieht- Richtung Ica. Neben Ica liegt die Oase Huacachina, unser Zufluchtsort. Hätten wir auch hier die uns brav begleitende Regenwolke gesehen, hätten wir bei Iberia einen Not-Anruf gestartet, um unseren Flug vorzuverlegen und über die Karibik gehen zu lassen.

Sehr positiv überrascht waren wir von unseren Zimmern in der Hosteria Suiza, die nicht nur ein sauber geputztes Bad, sondern auch frisch bezogene Betten und einen Swimming Pool für uns bereithielten. Die Oase ist ein Teich, umringt von Palmen und kleinen Hütten und Restaurants für hungrige Touristen. Die Sanddünen rings herum sind riesig und laden zum Sandboarden ein. Die Nachmittage haben wir am Pool liegend verbracht und zahlreichen Versuchen, einen Mojito zu bestellen. Da die Hotel-Bar aber entweder „geschlossen“  ist oder der Bar-Mann „heute“ nicht gekommen ist, warten wir noch immer. Wieder einmal wirken unsere weißen Fleischmassen auf den Kellner so Angst einflößend, dass wir vermuten, dass er sich vor lauter Angst im Klo einsperrt.

Am ersten Abend haben wir Sportskanonen die Dünen erklommen, uns den Sonnenuntergang angeguckt und ein köstliches Bier zur Belohnung gezwitschert. Eine Düse hochzulaufen hat etwas von einer Sissyphos-Arbeit: Zwei Schritte vor und fünf zurück. Da wundert es nicht, dass die Zunge sich irgendwann den Weg zur Freiheit sucht und wir fast darüber stolpern😉

Unser Vorsatz, sich an diesem Abend vegetarisch zu ernähren, endete darin, dass wir trotz bestellten Gemüsemengen einen riesengroßen Fleischberg zu erzwingen hatten, was nicht einmal Fabian bis zur Hälfte schaffte.

Am zweiten Abend katapultierten wir unsere sonnegetankten Glieder in einen Buggy der Desert-Adventure-Agentur. Das Abenteuer war eine Achterbahnfahrt: die steilen Dünen rauf und runter. Die Angsthasenkarte ging diesmal an Anna, die Angstschreie waren vermutlich noch in Ica zu hören, genauso wie die Schmerzschreie von Christoph, in dessen Knie sie ihre Fingernägel rammte. Dankbar waren wir dem Fahrer, wenn er vor den steilsten Abhängen stoppte, damit wir mit den Sandboards nach unten rauschen konnten, auf dem Bauch, auf dem Popo oder auch auf den Füßen. Der schön warme und schnell intim werdende Sand bohrte sich bei Stürzen in jegliche Körperöffnungen um unsere Unterhöschen von innen zu kontrollieren. Zum Abschluss durften wir den Sonnengang in der Wüste bestaunen, bevor es ein letztes Mal die Dünen rauf und runter zurück zur Oase ging.

Heute bruzzeln wir noch einmal am Pool und genießen die Wärme, bevor es heute Abend in unserem Luxusbus weiter nach Arequipa auf circa 2500m Höhe geht.

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Verfasst von: los viajeros | 4. August 2010

Von verlorenen Gruppen und gefundenen Winterklamotten

Das erste, was uns in Lima auffiel,  waren die Müllberge, die sich an den Straßenseiten türmten. Nach den Frierereien der letzten Tage wollten wir uns etwas Gutes gönnen und mieteten uns in einem 3-Sterne-Hotel ein, das uns den Charme des ersten Urlaubs unserer Großeltern nachempfinden ließ. Obwohl es nicht in der Hotelbeschreibung stand, vermuteten Anna und Christoph aufgrund des starken Chlorgeruchs, dass sich direkt unter dem gezüchteten Teppich (Baujahr 1948) ein Schwimmband befinden müsste. Fabian versuchte durch Abkleben der Fenster, die Innentemperatur von 0 auf 3,47 Grad zu steigern. Wir ernannten unsere beiden Reiseföhne (auch liebevoll Heizung genannt) zu vollwertigen Gruppenmitgliedern. Sein Aufgabengebiet sind nicht nur unsere Mähnen, sondern auch Nasen, Hände, Füße, Schlafsäcke, Socken, Bettdecken und Raumluft.

Den meisten Berichten zu Folge, sollte Lima die hässlichste Stadt der Welt sein. Wir fanden zumindest die Innenstadt gar nicht so schlimm und einige Plätze sogar richtig schön. Man kann den früheren Reichtum der Hauptstadt des spanischen Südamerikas gut nachempfinden.  Wir besichtigten den Plaza Mayor (Hauptplatz), die Kathedrale und das beeindruckende Kloster San Francisco. Mehr zufällig als absichtlich (denn ohne Gruppe darf man das Kloster nicht besichtigen) betraten wir das Gebäude durch den Ausgang und erkundeten das Innere auf eigene Faust. Wir bestaunten die schön angelegten Innenhöfe, die noch gut ausgestattete Bibliothek und die riesigen Katakomben, die Überreste von über 25.000 Menschen beherbergen. Im eigentlichen Highlight, der Priesterempore, stießen wir auf eine Reisegruppe. Der Guide fragte uns, was wir hier alleine wollen. Da wir unsere Spanisch- und Englischkenntnisse in den Katakomben vergessen hatten, stellten wir uns blöd, und Christoph antwortete in einem fließenden oberösterreichischen Dialekt: „ Wos wü dea scho wida?“. Leicht irritiert und in der Hoffnung auf eine saftige Strafe für uns, starrten uns 30 Peruaner an. Unbeeindruckt führten wir unsere Besichtigungstour fort, bis wir den energischen Gang von Stöckelschuhen durch die heiligen Gänge stampfen hörten. „Where is your group“, fragte uns die leicht aufgebrachte Klosterwärterin. Die Antwort „We lost it“ kam wie aus der Pistole geschossen und genauso schnell wurden wir aus dem Gebäude eskortiert.

Wir setzen den Stadtrundgang fort und was macht ein frierender Europäer um sich aufzuwärmen? Er sucht am Sonntag das Einkaufszentrum auf, um eine beheizte und winddichte Umgebung vorzufinden. Wieder einmal glich sich unsere Stimmung den sibirischen Außentemperaturen an, als wir feststellten, dass es sich um ein Freiluft-Shopping-Center direkt am Meer handelte. Glücklich waren wir dann wieder, als wir die Camping-Abteilung voll verwüstet, dafür mit vollen Tüten, verließen. Unsere Wärmeausrüstung hat sich nun von zwei Schlafsäcken, zwei Softshelljacken und vier LAN-Fleecedecken um zwei Schlafsäcke, drei Softshelljacken, eine Fleecejacke, Rollkragenpullis en masse, Mützen, Handschuhe und andere Warmhaltevorrichtungen erweitert.

Zur Feier des Einkaufs fanden wir eine nette spanische Bar, wo wir uns mit Warmhaltekalorien in Form von Churros und Tapas belohnten.

Am nächsten Tag und einer Nacht unter sämtlichen neu gekauften Gegenständen, brachen wir auf in die Wüste, um unseren Sonnendurst zu stillen und unsere tiefgekühlten Körper aufzutauen. Ob wir die Wärme gefunden haben und unsere Schweißdrüsen noch funktionstüchtig sind, könnt ihr womöglich schon morgen hier weiterverfolgen.

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Hallo Freunde, hallo Peru!

Nach knapp 24 Stunden Busfahrt, ab Peru durch unvorstellbares Niemandsland – so weit man blicken konnte nur Wüste-  kamen wir in Trujillo an. Schnell suchten wir uns ein Taxi, das uns Richtung Strand (Huanchaco) bringen sollte. Aber nicht nur das Wetter war gegen uns, was tragischerweise die ganzen Stunden vor Trujillo strahlenden Sonnenschein zeigte, sondern auch das Taxi, denn das hatte erstmal einen Platten. Kein Problem für unseren Fahrer, der zunächst das Rad wechseln wollte mitsamt uns und unserem Gepäck an Bord. Naja, irgendwann waren wir dann doch in Huanchaco und unsere Vorfreude schwand nur dahin als wir sahen, dass die Strandpromenade von Autos befahren wird und das Wetter eher so war als wäre morgen Weihnachten. Die Suche nach einem geeigneten Hostal war auch nicht gerade einfach. Wir sind ja nicht wählerisch, aber eins war zu stinkend, das andere noch mehr, das dritte noch viel mehr und die nächsten hatten kein Fenster oder offene Fenster. Der Traum vom Strandbungalow mit Meeresblick endete in der am geringsten stinkenden Absteige mit wenigstens Gang-Blick.

Pünktlich um zehn Uhr morgens standen wir vorm Kassenschalter des Busunternehmens um uns in den Nachtbus nach Lima (ca. 8 Stunden Fahrt) einzumieten.  Die Auskunft, dass wir noch mindestens bis Montag im sibirischen Strandparadies (ohne Paradies) verweilen sollten, veranlasste uns dazu, erstmal ein Frustfrühstück einzunehmen. Bedient wurden wir von einer 80jährigen Nobel-Omi, die uns nur schwarzen Kaffee – nicht mit Milch- geben konnte. Denn es gab nur Kaffee oder Milch, aber nicht Kaffee mit Milch oder Milch mit Kaffee.

Um die Dramatik der nächsten Minuten besser rumbringen zu können, verwenden wir jetzt eine kurze Chronologie der Geschehnisse:

10.25 Uhr:           Anna und Theresa versuchen es bei einer anderen Buslinie und erhalten die Auskunft, dass man uns erst Plätze reservieren kann, wenn man weiß, dass der Bus voll ist. (Unsere Gedanken: Hä??????). Reservieren können wir im Internet, allerdings nur, wenn wir die Seite finden. (Anmerkung: Die Seite wurde mittlerweile verkauft)

10.32 Uhr:           Totale Frustration.

10.50 Uhr:           Zwei Computer werden hochgefahren. Ziel: raus aus dem „Paradies“ und rein in das Großstadtmoloch Lima.

10.52 Uhr:           Anna zwingt die Rezeptionistin, sämtliche Buslinien anzurufen, um vier freie Plätze in einem Bus zu erfragen. Kein Erfolg.

10.54 Uhr:           Fabian checkt alle von Huanchaco abgehenden Flüge, auch über die Vereinigten Staaten. Kein Erfolg.

10.55 Uhr:           Die Laune gleicht sich den Außentemperaturen an. Theresa stellt fest, dass man von keiner Internetseite Busse reservieren kann.

10.59 Uhr:           Fabian findet vier freie Plätze für den Bus um 12 Uhr. Er zwingt die Rezeptionistin, noch einmal bei der Buslinie anzurufen. Nach mehrmaligem Verleugnen: Es gibt vier Plätze. Sie werden für 15 Minuten blockiert. Wir müssen nach Trujillo (13km von Huanchaco)

11.00 Uhr:           Das schaffen wir nie.

11.01 Uhr:           Doch.

11.02 Uhr:           Nein.

11.03 Uhr:           Los, packen!

11.15 Uhr:           Anna versucht der Rezeptionistin klarzumachen, dass man die Hotelrechnung nicht am Busschalter bezahlen kann.

11.20 Uhr:           Wir springen ins Taxi. Christoph entdeckt, dass er super spanisch sprechen kann und sagt dem Taxifahrer: „Rapido, muy muy rapido“. Schnell wird aus dem Taxi heraus noch wenigstens ein Foto vom Strand gemacht.

11. 45 Uhr:          Ankunft am Busterminal.

11.50 Uhr:           Wir sind stolze Besitzer vierer SuperVIP-Tickets nach Lima.

11.59 Uhr:           Wir boarden und machen uns in den größten Bussitzen, die wir je gesehen haben, breit (so wie die, welche man in der First Class im Flugzeug immer neidisch betrachten kann).

12.10 Uhr:           Die Stewardess bringt die Vorspeise……

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Verfasst von: los viajeros | 29. Juli 2010

Von ecuadorianischen Vierbeinern und Deutschen auf vier Beinen

Liebe Friends,

wie das letzte Mal schon berichtet, hat uns das mangelnde Essensangebot in Cuenca  dazu gezwungen,  „Mini Gaby“ (siehe Foto)  -das einzige Geschäft, das am Sonntag in ganz Cuenca offen hatte- aufzusuchen, um uns mit Chips, Cola, Schokolade und Bier einzudecken. Aber dann rettete uns doch noch die New York Pizzeria mit einer Megafamilienpizza, die nicht mal wir zu viert geschafft haben. Die, die uns kennen, wissen, was das heißt.

Am nächsten Tag hieß es raus aus den Stinkezimmern und rein in den Stinkebus nach Vilcabamba, dem Tal der ewigen Jugend. Obwohl, Jugend ist subjektiv, hier werden 97jährige als jung gehandelt, da es von den 2000 Einwohnern über 60 jenseits der 100 geschafft haben.

Nach den Strapazen der letzten Woche wurden wir belohnt und checkten bei Peter und Dieter im Izhcayluma (http://www.izhcayluma.com) ein. Hier stimmen nicht nur Zimmer, Hängematte, Pool und Glasdachdusche, sondern auch das Essen ist hervorragend. Es gibt Currywurst und Gulasch, Stroganoff und Käsespätzle. Die Freude über so gutes Essen hat uns gleich zum Feiern animiert, was in einer dreitägigen Gin Tonic- und Caipirinha-Session ausgeartet ist.

Natürlich mussten wir uns auch sportlich betätigen um uns noch mehr Freiraum für die leckeren Kalorien zu verschaffen. Am Dienstag hatten wir zur Katerbekämpfung den Plan gefasst, ins nahegelegene Naturreservat zu gehen um Flora und Fauna zu bestaunen😉 . Peter wies uns darauf hin, dass man weder Pferde noch Hunde mitnehmen darf, was uns zu diesem Zeitpunkt sehr rätselhaft vorkam.  Wir erkundeten dann erst mal das Dorf und suchten nach den Alten. Haben diese wohl mittlerweile den Holzpyjama an? Denn diese haben wir leider nicht gefunden, dafür unseren neuen Guide (Fabian braucht schließlich auch mal eine Pause). Der neue Guide ist schwarzhaarig, dunkeläugig, treuseelig und wird schnell intim. Wir nannten in Blacky (manche auch Köter). Ihr fragt euch jetzt natürlich, wie wir zu Blacky gekommen sind. Er entdeckte uns, als Theresa mit einem Schokoriegel (man gönnt sich ja sonst nichts)auf dem Marktplatz stand. Schnell dachte sie, der Schokoriegel wäre sein Objekt der Begierde und ließ ihn bereitwillig fallen um zu Fabian zu hechten. Blacky allerdings war nicht an Schokolade interessiert, sondern an uns netten Europäern. So begleitete er uns verbotenerweise ins Naturreservat, über Stock und Stein, Dornen und zusammengebrochene Brücken. Der Ausblick dort kam uns schon sehr imposant vor und wir verstanden, warum Peter und Dieter ihre Heimat hierhin verlegt hatten. Auf dem Rückweg belohnten wir Blacky mit ein paar Würstchen, was ihn darin bestärkte, in uns seine lang gesuchten Freunde fürs Leben zu sehen. Unsere Tierliebe reichte aber nicht dafür aus, ihn mit durch Südamerika und mit nach Europa zu nehmen, also machte er noch einmal brav „Sitz“ als wir hinterlistig ins Taxi sprangen. Uns brach es fast das Herz, als er sein Leben aufs Spiel setze um uns zu verfolgen (siehe Foto).

Gestern wollten wir die Berge noch einmal von der anderen Seite besichtigen und entschlossen uns für den angeblich wenig gefährlichen Izhcayluma-Loop. Er führte uns über Pferdekoppeln und Bäche, Privatgrundstücke und Kuhweiden und gelegentlich halfen wir uns gegenseitig unsere Ärsche (die uns zu dem Zeitpunkt vorkamen wie Brauereipferdhinterteile) Felsvorsprünge hochzuhieven.

Wir haben den Weg durch Bananen- und Orangenbäume, Kaffeebüsche, sowie Orchideenstauden und Oleanderbüsche genossen,  bis wir am „Gipfel“ des Izcayluma-Berges angekommen sind.

An dieser Stelle bitten wir unsere Mütter, aus Selbstschutzgründen, nicht weiter zu lesen und erst beim nächsten Absatz in unseren Reisebericht wieder einzusteigen. Wir wussten zwar von Peter schon, dass wir einen schmalen Grat überwinden mussten; was er uns aber nicht sagte, dass dieser teilweise nur 50 cm breit ist und es auf beiden Seiten hunderte Meter runterging. Die waghalsigen (andere bezeichnen sie als lebensmüden) Ösis brachten die Passage auf ihren Füßen, die deutsche Fraktion auf allen Vieren hinter sich (siehe Fotos). Theresa sah darin die größte Mutprobe ihres Lebens, die allerfürsorglichste psychosoziale Betreuung von Fabian bedurfte, während die Alpenrepublikler herumposten und Bilder für ihre Modelmappe sammelten.  Als dann der Weg „richtig breit“ wurde, wir sprechen von einem Meter, konnte Christoph ein schon lange in ihm schlummerndes Talent entdecken. Erst zwei, später auch acht Wildpferde standen uns im Weg, die höflichst vom  Grat verwiesen werden mussten. Schließlich ist es schwierig, sich auf einem ein Meter breitem Grat an einem Pferd vorbeizuschlengeln und wir wollten nach all den Anstrengungen auch nicht durch einen Pferdetritt in die ewigen Jagdgründe geschickt werden (wer weiß, ob es da leckeres Essen gibt). Für alle Besitzer von zwei bis acht beinigen verhaltenskreativen Tieren gibt es ab nun die Notrufnummer (= Telefonnummer von Christoph).

Und wieder begrüßen wir unsere Muttis. Auf den Bildern könnt ihr erkennen, wie fantastisch der Ausblick oben war. Die Ruhe und das sanfte Grün der Anden lassen die Alpen wie eine Kindergartenhügelwelt erscheinen.

Abends schmeckten die Spätzle und das Geschnetzelte nochmal viel besser und wir stießen mit einem köstlichen Gin Tonic auf unsere Wiedergeburt an.

Wir freuen uns überhaupt nicht, Vilcabamba zu verlassen, aber wir sagen „Adios, Ecuador“ und „Bienvenido, Peru“. Auf Nimmer Wiedersehen sagen wir auch zur uns ständig begleitenden Regenwolke, der Bus ist jetzt voll!

Unser Ziel wird nach einer wohl strapaziösen Busfahrt Trujillo sein, schon auf halbem Weg nach Lima.

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Verfasst von: los viajeros | 25. Juli 2010

Von verbrecherischen Tieren und frei fliegenden Männern in Baños

Liebe Leute,

die letzten Tage waren etwas turbulent, deswegen melden wir uns erst so spät wieder. Von Quito sind wir in einer vierstündigen Busfahrt weiter nach Baños gefahren. Baños ist ein kleines Thermalbadstädtchen umringt von grünen Bergen und einem Vulkan (der sich vor uns versteckt hat).

In Baños haben wir es uns nicht entgehen lassen, das „Tiergefängnis“, das bei uns Zoo heißt, zu besuchen. Wir sahen Steuerhinterzieher und Mörder, Chips-Klauer und Zweig-Lutscher. Und ein paar Riesenmeerschweinchen! Fabian und Christoph haben sich kurzfristig überlegt, zur ecuadorianischen Luftwaffe zu wechseln und haben den Einstellungstest bravourös bestanden, in dem sie eine Schlucht am Seil hängend überquerten. Verhaltenstherapie bei Höhenangst kann man es auch nennen.

Anschließend haben wir eine kleine Bergtour gemacht, bei der Theresa und Christoph fast auf der Strecke blieben (akuter Luft- und Wassermangel). Die Aussicht von oben war genial und all die Strapazen wert.

Eigentlich war für den nächsten Tag eine Fahrradtour entlang der Wasserfälle geplant, aber das Wetter wollte nicht mitspielen (Wer hatte da seinen Teller nicht aufgegessen?), so dass wir spontan weiter fuhren nach Cuenca. Die 8-stündige Busfahrt – größtenteils über den Wolken – dorthin war wirklich ein Erlebnis.

 Anna durfte neben einen Popel-futternden furzenden Ecuadorianer sitzen. Christoph bekam einen Ehrenplatz  vorne beim SMS-tippenden Fahrer eingeklemmt zwischen einer Gans in einer Plastiktüte und einer einheimischen Adipositas permagna-Frau, die ununterbrochen undefinierbares Zeugs gefuttert hat. Natürlich drückten unsere Blasen auch irgendwann (und glaubt uns, wir trainieren das Anhalten hier gut!) und angeblich sollte in 5 Minuten eine Pinkelpause gemacht werden. Da ecuadorianische 5 Minuten auch länger sein können – wie sich nachher herausstellte 8 Stunden -mussten wir auf das Bus-Klo ausweichen, in dem Theresa dann auch gleich erstmal gefangen war (der nette Busfahrer hatte einfach wieder abgeschlossen).

 Insgesamt sind die Busfahrten richtig interessant😉 Man bekommt jedes Mal die Auskunft, dass der Bus ohne Halt durchfährt, irgendwie vergessen die Busfahrer das aber gerne und stoppen dann doch alle paar Meter. Und dann kommen weitere Einheimische und zwängen sich in alle möglichen Ritzen des Busses! Einfach ein Erlebnis der Sonderklasse J  Am Abend kamen wir dann ein bisschen gerädert in Cuenca an und natürlich war das Erste, was wir taten: was zu essen suchen! Wir landeten in einem vom Reiseführer hochgelobten Restaurant, das vielversprechende, unter anderem, asiatische Gerichte anbot! Theresa und Anna entschieden sich für grünes Thai Curry- ein fataler Fehler wie sich herausstellen sollte: das ganze war ein undefinierbarer Ingwereintopf mit völlig zerkochtem Hühnerfleisch von vorletzter Woche und ein paar grünen Gemüsesorten-  von Kokosnussmilch oder sonstigen Curryzutaten keine Spur! Das war für Theresa mal Anlass genug, um sich zu beschweren- nur der Kellner (eine an sich schon sehr nervöse Person) machte sich bei dem Gedanken an Anschiss schon fast selber in die Hosen und traute sich dann auch nicht mehr zu unserem Tisch! Jedenfalls kam dann noch eine andere Angestellte, die glaubte sie könne die Misere retten, in dem sie einen Teller Pommes brachte (wer weiß das nicht, dass Theresa keine Pommes mag???) und sich zu rechtfertigen versuchte, dass sich der Koch im Gericht vertan hat und die Kokosnussmilch vergessen hätte! Schließlich und endlich blieb es uns dann erspart, das „Thai Curry“ zu bezahlen, aber Theresa musste dafür auch mit leerem Magen ins Bettchen gehen! Eine kleine Tüte Chips durfte dann aber doch noch sterben.

Das Wort zum Sonntag hören wir im kolonialen Cuenca und werden morgen weiter gen Süden nach Vilcabamba fahren. Dort erwarten uns hoffentlich ein Pool, tolle Landschaft und uralte Einwohner.

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Verfasst von: los viajeros | 22. Juli 2010

Vom Fliegen, den Bergen und Mittelerde

Ihr lieben, wir sind in Ecuador!

Die Reise hierhin fing nicht ganz so entspannt an, wie wir das gerne gehabt hätten. Theresa und Fabian hatten Kassel kaum verlassen, da wurde im Zug schon ein Arzt ausgerufen. In Frankfurt am Flughafen war die nette Dame von Iberia nicht davon abzuhalten, uns 20 Plätze voneinander entfernt zu setzen für den Flug von Madrid nach Quito. Wir hätten ja online einchecken können (was wir natürlich versucht haben) und wenn Theresa alleine Angst hat, soll sie halt da bleiben. Zum Glück gab man uns dann kurz vor Abflug nach Madrid doch noch Plätze nebeneinander.

Anna und Christoph waren auch total begeistert, Plätze in der mittleren Reihe zu kriegen und sollten ihre Tickets halt abgeben, wenn es ihnen nicht passt, weil die Dame von Iberia sie auch gerne hätte.

Irgendwelche geheimen Gedanken müssen uns wohlgesonnen gewesen sein, als wir in Madrid ins Flugzeug stiegen, denn man gab Anna und Christoph neue Karten, und wir vier hatten die verantwortungsvolle Aufgabe, die Notausgänge zu betreuen. Selbstverständlich hätten wir erst die fetten Ärsche durch die Tür geschoben, bevor wir uns gerettet hätten.

So, jetzt sind wir in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Wir wohnen in der Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Man fühlt sich hier eher wie in einem Dorf. Ringsum sind tolle grüne Berge und gelegentlich können wir einen der schneebedeckten Vulkane sehen. Die Stadt wirkt so friedlich und ruhig. Natürlich haben wir auch schon die meisten der typischen Snacks probiert und führen schon eine kleine Favoriten-Liste. Und das heimische  Bier (Pilsener) schmeckt einfach köstlich.

Um Christoph außer Puste zu kriegen und ein bisschen Heimatgefühl zu vermitteln, haben wir gestern einen Ausflug mit der Seilbahn auf 4100m Höhe gemacht. Dank zweier ecuadorianischer Staatsbürgerinnen, die uns für fett empfanden (mit selber BMI über 30) hatten wir die Kabine auch alleine für uns. Oben angekommen lauschten wir vertrauten Panflötenklängen (Winf of change, Chiquitita, My way). Ein wahrer Ohrenschmaus. Hätten wir Luft gehabt, hätten wir natürlich gerne mitgesungen.

Weiter ging‘s im Citybus zum Äquator (Mitad del mundo – „Mittelerde“). Dort wurde den Südländern (Ösis) das wohl edelste Sandwich ihres Lebens 5m vom Äquator entfernt serviert (einfach zum Nachbauen: zwischen zwei vergammelten Scheiben Toastbrot feiern zwei Wochen alter Schinken und uralter Käse mit grausig riechendem Salatdressing eine kleine Salmonellenparty).

Wir fielen einer Touristenverarschung zum Opfer und wurden in den Sonnentempel verschleppt, wo unser gesamtes medizinisches Wissen über Bord geworfen wurde und wir und uns nur unter größten Strapazen und Anstrengungen der Aromatherapie entziehen konnten. Theresas Versuch mit der Aromaprobe, einen Hund zu verjagen, schlug leider direkt fehl. Freut euch also schon mal auf eure Mitbringsel, denn nach der Präsentation gabs die Fläschchen zum „Spottpreis“ zu erwerben  ;-) Dank aller kaufwilligen Mittouristen konnten wir das eigentliche Highlight der Tour, einen Vulkankrater, dann nur in tiefstem Nebel erahnen.

Jetzt machen wir uns auf den Weg nach Banos und freuen uns auf ein Hotel mit Whirlpool.

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Verfasst von: los viajeros | 15. Juli 2010

Die Caviidae-Forscher:

Auf der Suche nach den leckersten Meerschweinchen machen wir uns am Montag auf nach Quito. Sechs Wochen Südamerika, von Quito in Ecuador über Peru und Bolivien bis nach Iquique in Nordchile. Nach den letzten Saunawochen in Deutschland (und Österreich) klingen die winterlichen Temperaturen nicht mehr ganz so schockierend, wie noch vor wenigen Wochen.

In gewohnter Weise erwarten euch spannende Geschichten über unsere Erlebnisse und Touren, über Missverständnisse und seltsame Verhaltensweisen, über Land und Leute und die skurrilsten Nahrungsmittel.

Da nur wenige Leute uns alle vier kennen, ist hier eine kleine Kurzbeschreibung der Reisegruppe:

Fabian: Unser Guide, der schon im Landeanflug den Stadtplan scannt und uns stets ohne Umwege ans Ziel führt. Seinem Namen alle Ehre machte er in Hanoi, wo er den Stadtführer durch die Gassen führen und den Weg zeigen musste. Sollte er der Gruppe einmal für ein paar Minuten aus dem Augenfeld verschwinden, so findet man ihn zuverlässig am nächstgelegenen Cola-Automat.

Dr. Anna: Unsere Gruppenärztin, die sich stets um unsere Figuren und Gesundheit besorgt schon Städte im Voraus die tollsten Restaurants aussucht und immer darum bemüht ist, andere Pool-Mitanwärter zu verjagen, damit wir keiner fremden Keimflora ausgesetzt sind. Schon jetzt stellt sie Hochrechnungen an, wie viele Meerschweinchen am Tag wohl einen gesundheitsfördernden Effekt haben.

Christoph: Der Gruppenpsychologe, oder auch Mister Long Leg. Einst in Hanoi stahl er Ho Chi Minh(s Leichnam) die Show, weil er aus der Masse von 6 Millionen Vietnamesen mehr heraus stach als Onkel Ho´s Überreste. Hauptverantwortlich wird er auf dieser Reise sein für die psychologische Betreuung und Gesprächstherapie an Post-Alkohol-Tagen und im akuten Fresskoma.

Theresa: Die Dolmetscherin, versuchte schon in Vietnam die Einheimischen zu verstehen, bekam nur leider nie die Antworten, die sie suchte (Beispiel (nach geplantem Stromausfall): „When will the power be back?“ – Antwort: „Why you want big bed?“). Ob es mit dem Spanischen nun besser läuft, bleibt abzuwarten. Mitverantwortlich wird sie sein, dem akuten Nierenversagen durch Dehydratation entgegen zu wirken und literweise Getränke durch die Gegend zu transportieren.

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